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AUF DEN SPUREN VON PIETER BRUEGEL
ANTWERPEN: HEIMAT DER TOLLEN GRETE

Flämische Meister 2018-2020: Rubens, Bruegel & Van Eyck

Mehr als 300 Maler und Grafiker tummelten sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Antwerpen – dagegen gab es nur 169 Bäcker und gerade mal 78 Metzger. Flandern war damals das Kunstpflaster schlechthin. Über 250 Jahre trieben die Maler von hier aus mit sagenhaften Neuerungen ihr Metier voran. Zuerst die Meister der altniederländischen Malerei, allen voran Jan van Eyck. Dann die Künstler der Renaissance mit dem Ausnahmemaler Pieter Bruegel. Und schließlich Barockstars wie ein Peter Paul Rubens. Diese große Zeit und ihre tolle Kunst lassen sich natürlich besonders gut in Flandern selbst erleben. Das Beste: Oft findet man die Bilder und Skulpturen hier noch genau an den Orten, für die sie einst geschaffen worden sind.

2019: Auf den Spuren von Pieter Bruegel

Jeder kennt die wunderbaren Landschaftspanoramen, wo es von Figuren und Geschichten nur so wimmelt. Überall gibt es etwas zu entdecken. Mal sind es die „Drei Heiligen Könige“ in einem flämischen Dorf, mal Männer, die Steinbrocken schleppen, auf der Turmbaustelle zu Babel. Über den Maler, der sich all das ausgedacht hat, weiß man dagegen wenig. Zumindest das Todesdatum ist verlässlich überliefert: Pieter Bruegel d.Ä. verstarb am 9. September 1569. Flandern kann also in diesem Jahr den 450. Todestag begehen und tut dies ausgiebig – mit einer ganzen Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen. Doch auch ohne dies lockt die Spurensuche an den Originalschauplätzen, in Flanderns Landschaften und malerischen Dörfern, die Bruegel einst sah und malte.

»Die Volkszählung zu Betlehem«

Antwerpen: Heimat der »Tollen Grete«

Bevor er nach Brüssel zog, machte Bruegel sich in Antwerpen einen Namen. Hier ist er bei Pieter Coecke van Aelst in die Lehre gegangen und hat danach in der berühmten Kupferwerkstatt von Hieronymus Cock gearbeitet – damals eines der einflussreichsten Verlagsunternehmen in Europa.

Museum Mayer van den Berg
Die »Tolle Grete« in der Dauerausstellung

Eine zahnlose Alte mit Schwert in der Hand und Brustpanzer über dem Bauernkleid. Nicht schön, aber mutig schaut sie aus, die »Tolle Grete«, wie sie entschlossenen Schrittes das Bild durchquert. Drum herum sieht man Feuer und allerhand Dämonen ihr Unwesen treiben. Dazu eine Horde wilder Kämpferinnen, die sich beherzt über unterschiedlichste Fabelwesen hermachen. Was hat das alles zu bedeuten? Das berühmte, erst kürzlich gründlich restaurierte Bruegel-Bild steckt voller Rätsel, die bis heute nicht gelüftet sind. Im Antwerpener Museum Mayer Van den Berg kann man mitraten, denn dort hängt das Original, umgeben von weiteren schönen Bruegel-Stücken. Alle hat Fritz Mayer van den Bergh (1858 – 1901) zusammengetragen. Der große Antwerpener Sammler interessierte sich sehr früh schon für die Kunst der Renaissance und war vor allem von Pieter Bruegel begeistert. Aus Anlass des 450. Todestages wurde die Dauerausstellung zu Bruegel im Museum Mayer van den Bergh neu eingerichtet und multimedial angereichert. Kommenden Oktober wird die »Tolle Grete« im Hause umziehen: aus der ständigen Sammlung auf einen Ehrenplatz in der Wechselausstellung »Madonna trifft Tolle Grete«.

Die »Tolle Grete« im Museum Mayer van den Berg

»Madonna trifft Tolle Grete«

5. Oktober 2019 bis 31.Dezember 2020

Fritz Mayer van den Bergh war nicht der einzige herausragende Antwerpener Kunstsammler im 19. Jahrhunderts. Auch Florent van Ertborn (1784–1840) hat einiges zusammengetragen – rund hundert bedeutende Werke. Sie bilden die Basis der Königlichen Museen der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA). Die Ausstellung vereint nun die beiden großen Sammlerpersönlichkeiten und präsentiert ihre wichtigsten Schätze Seite an Seite. Neben Pieter Bruegel d.Ä. sind etwa Jean Fouquet, Rogier Van der Weyden und Gerard David vertreten. Dazu kann die Schau manches erzählen – von genialen Funden und sensationellen Schnäppchen.

Mehr Informationen: flemishmasters.com/de/veranstaltungen/madonna-trifft-tolle-grete

LLS Palais

»Die Tolle Grete, Rebellion – Provokation – Verzweiflung – Feminismus«
5. Oktober bis 8. Dezember 2019

Auch das LLS Palais in Antwerpen feiert in diesem Jahr die »Tolle Grete«. Während Bruegels berühmtes Gemälde von 1562 nur einen Steinwurf weit im Museum Mayer van den Berg hängt, kommt hier, im Raum für zeitgenössische Kunst, eine Handvoll aktueller Künstler zusammen – darunter etwa Erik van Lieshout und Pipilotti Rist. Ihre Werke überraschen mit neuen Blicken auf Bruegels merkwürdig mehrdeutige Frauengestalt.

Mehr Informationen: flemishmasters.com/de/veranstaltungen/die-tolle-grete-rebellion-provokation-verzweiflung-feminismus

Bruegel bei der Arbeit - Bronzestatue auf dem Kapelleplein

Veranstaltungshighlights in Brüssel

»Beyond Bruegel« heißt die Schau im Dynastiepalast (6.4.2019 bis 31.1.2020). Großprojektionen lassen den Besucher dort tief eintauchen in Leben und Werk des flämischen Meisters. Mal treten einem die wunderlichen Details aus seinen Gemälden ganz nah vor Augen. Mal scheint es, als segele man an Bruegels berühmtem Turm zu Babel vorbei. Die Ausstellung im Hallepoort will uns »Zurück zu Bruegel« führen (18.10.2019 bis 18.10.2020). Schon der Ort ist ein ganz besonderer: Das mythenumwobene Tor aus dem Jahr 1381 war Teil der Stadtmauer um das alte Brüssel und Pieter Bruegel sicher bestens bekannt. Ein Höhepunkt wartet ganz oben. Mit Blick durchs High-Tech-Fernglas sieht man Brüssel und die umliegende Landschaft so, wie der Maler und seine Zeitgenossen sie einst vor Augen hatten.

In der Königlichen Bibliothek von Belgien ist »Die Welt von Bruegel in Schwarz-Weiß« zu erleben (15.10.2019 bis 16.2.2020). Wir lieben seine Malerei, doch waren es vor allem grafische Arbeiten, die Pieter Bruegel zu Lebzeiten bekannt gemacht haben. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war Flandern ein internationales Zentrum der Druckkunst, und Bruegel spielte gemeinsam mit dem Verleger Hieronymus Cock eine Schlüsselrolle in diesem Geschäft. Das Dreamteam steht im Zentrum der Ausstellung, die aus dem reichen Bibliotheks-Bestand an Bruegel-Zeichnungen und -Drucken schöpfen kann.

Mehr Infos zu den Ausstellungen: www.flemishmasters.com/de/programm

Bruegel in Schwarz-Weiß: Grote Vissen Eten De Kleine

Das Pajottenland vor den Toren Brüssels

Kirchen, Mühlen, Felder, Dörfer mit spielenden Kindern und Bauern, die Hochzeit feiern. Wie aus dem Leben der einfachen Leute gegriffen wirken Pieter Bruegels feinfühlige Bilder. Viele Anregungen fand der Maler vor den Toren der Stadt in der Gegend südwestlich von Brüssel. Bei seinen Streifzügen durchs Pajottenland studierte er Natur und Menschen.

»Mit dem Auge von Bruegel: eine Reise durch seine Landschaften«
7. April bis 31. Oktober 2019

Noch heute steht sie in Dilbeek – die kleine gotische Dorfkirche St. Anna. Genau so wie Pieter Breugel sie vor gut 450 Jahren sah und im Hintergrund seines Gemäldes »Der Blindesturz« wiedergab. Jetzt wird das Kirchlein zum Startpunkt einer Outdoor-Ausstellung, die sich zu Fuß oder per Fahrrad erkunden lässt. Der sieben Kilometer lange Weg führt vorbei an ganz unterschiedlichen Installationen – von 15 zeitgenössischen Künstler, Designer und Architekten eigens für diesen Anlass geschaffen. Der Fotograf Filip Dujardin etwa hat für die St. Anna-Kirche ein fotografisches Landschaftspanorama kreiert und ging dabei vor wie Bruegel, der in seinen Landschaftsbildern ebenfalls Elemente unterschiedlicher Gegenden kombinierte. Guillaume Bijls Installation bietet den Rahmen für ein Volksfest mit Spaß, Essen und Trinken – ganz so wie man es aus Bruegels Bildern kennt. Und das Architektenduo Gijs Van Vaerenbergh ließ sich von Bruegels Stichen inspirieren und entwarf eine luftige Windmühle aus Stahlstäben, die grafischen Linien gleichen. Der Dilbeeker Ausstellungsparcours endet an einer alten Wassermühle, die Bruegel offenbar zitierte in seinen Bildern »Die Jäger im Schnee« und »Die Elster auf dem Galgen«.

Weitere Informationen zu »Mit dem Auge von Bruegel: eine Reise durch seine Landschaften«

Das Pajottenland südwestlich von Brüssel

Schloss Gaasbeek

»Das Narrenfest: Bruegel wiederentdeckt«
7. April bis 28. Juni 2019

Was macht Bruegel bis heute so anziehend? Die Schau auf Schloss Gaasbeek zeigt, wie der Renaissance-Künstler auf Kollegen des 20. und 21. Jahrhunderts wirkt. Dazu bringt sie Werke von Klassikern wie James Ensor und Otto Dix, August Sander oder Georges Grosz zusammen. Arbeiten einer ganzen Reihe zeitgenössischer Künstler, die auf Bruegels Schaffen reagieren, gesellen sich hinzu. Darunter auch eine von dem Berliner Theater-Kollektiv Rimini-Protokoll eigens entwickelte Video-Installation, die man per VR-Brille erleben kann. Es geht um die Lebensmittelproduktion damals und heute: von Bruegels Bauernfamilien zur hochtechnologischen Agrarindustrie.

Weitere Informationen zum Narrenfest auf Schloss Gaasbeek

Schloss Gaasbeek

Bruegel im Freilichtmuseum Bokrijk

Es muss nicht immer Brüssel sein. Auch fernab der belgischen Hauptstadt feiert man den 450. Todestag von Pieter Bruegel. Zum Beispiel im Freilichtmuseum Bokrijk in der Provinz Limburg.

»Bruegels Welt«
6. April bis 20. Oktober 2019

Über 400 Hektar Gärten und Natur, rund 120 historische Gebäude, der größte Spielplatz des Landes… – das ist nicht alles, was den Besucher hier erwartet. 2019 lockt das Freilichtmuseum mit besonderen Erlebnissen: Es gibt einen speziellen Bruegel-Parcours und ein eigens entwickeltes Bruegel-Game, bei dem man sich auf die Suche nach verschwundenen Gegenständen aus einem seiner Bilder begibt.

Sommertheater: »Bravo, Herr Bruegel«
11. Juli bis 1. September 2019

Ab Juli steht noch dazu das Theaterstück »Bravo, Herr Bruegel« auf dem Programm. Zweimal täglich wird die Gruppe LAIKA ihr schillerndes Schauspiel aufführen – im Stil der Erzählkunst des 16. Jahrhunderts und angelehnt an Bruegels berühmtes Gemälde »Der Kampf zwischen Karneval und Fasten«.

Weitere Informationen zum Feilichtmuseum Bokrijk

Bruegel zu Gast im Freilichtmuseum Bokrijk

Bruegel und Brüssel

Er wollte wohl dem Geld, der Macht und vor allem seinen reichen Auftraggebern näher sein. Deshalb verließ Pieter Bruegel Antwerpen und zog 1563 nach Brüssel. Hier heiratete er, hier kamen seine Kinder zur Welt, hier lebte die Familie sechs Jahre lang zusammen im Marollenviertel. Bruegel schuf in Brüssel eine Reihe weltberühmter Werke, und er starb auch hier. Im 450. Todesjahr lädt die Stadt ein zur Entdeckung des großen Malers in den Straßen und Häusern: Auf der Karte zum »Bruegel Walk« sind alle wichtigen Bruegel-Hotspots verzeichnet.

Hier gibt es die Karte zum »Bruegel Walk« als PDF zum kostenlosen Download.

Bruegels Werke im Königlichen Museum der Schönen Künste

Auf den Spuren von Pieter Bruegel d. Ä. kommt man nicht vorbei an den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel (KMSKB), wo immerhin fünf Gemälde aus dem schmalen Oeuvre bewahrt werden; nach Wien ist es die zweitgrößte Sammlung überhaupt. Unter den Brüsseler Bruegels sind so bedeutende wie »Der Sturz der rebellierenden Engel« von 1562, die 1565 gemalte »Winterlandschaft mit Eisläufern und Vogelfalle« und die im Jahr darauf entstandene »Volkszählung zu Bethlehem« – das biblische Geschehen wird hier kurzerhand in ein verschneites flämisches Dorf verlegt, wo es nur so wimmelt von Figuren und Geschichten. Ein Schwein wird geschlachtet, Kinder werfen mit Schneebällen, Männer schleppen Säcke übers Eis.
Der Clou: Zusammen mit Google wurden dieses und elf weitere von Bruegels kleinteiligen Meisterwerken in Megapixel-Auflösung digitalisiert und unter dem Titel »Unseen Masterpieces« ins Netz gestellt. Im KMSKB wartet dazu noch eine »Bruegel Box«: Da kann man Platz nehmen und tief eintauchen in die ringsum wandfüllend projizierten und animierten Gemälde.

»Der Sturz der rebellierenden Engel« in der Nahaufnahme

Zu Hause im Marollenviertel

Ein paar Straßen nur entfernt vom Museum liegt das urige Marollenviertel, wo Bruegel einst lebte und arbeitete. Was die Adresse angeht, ist man sich nicht ganz sicher, doch könnte es gut sein, dass Bruegel im hübschen Backsteinhaus mit Treppengiebel an der Hoogstraat 132 gewohnt und gearbeitet hat. Der Abstecher ins Marollenviertel lohnt aber nicht nur wegen Bruegel – auch die vielen Cafés, Antiquitätengeschäfte und natürlich der tägliche Flohmarkt auf dem Vossenplein lohnen.

Bruegel-Monster in der Kapellenkirche

Am Rande des Marollenviertels, unweit der Hoogstraat steht die Kapellenkirche, in der Pieter Bruegel d. Ä. 1963 geheiratet hat und nur sechs Jahre darauf bestattet wurde. Draußen vor der Tür erinnert eine 2015 gefertigte Bronzefigur an den Maler – langbärtig, mit Pinsel in der Hand und einem Affen auf der Schulter beschreibt der flämische Bildhauer Tom Frantzen den Meister. In der Kirche hängt zu Bruegels Gedenken eine marmorne Tafel, geschaffen von Bruegels Sohn Jan. Später hat ein Großenkel das Epitaph mit einem Gemälde von Peter Paul Rubens geschmückt: »Christus überreicht Petrus die Himmelsschlüssel«. Das Original ist heute in der Berliner Gemäldegalerie zu bewundern, Brüssel ist nur eine Kopie geblieben.

Dafür hat die Kapellenkirche aber in Bruegels 450. Todesjahr eine andere Attraktion zu bieten: Das Gotteshaus wird zur Bühne für ein schräges Schauspiel; überall lauern hier kleine Gestalten, die geradewegs Bruegels Bildern entsprungen scheinen. Hier angelt ein Monster mit Fischmaul, da macht ein kleiner Mann Pipi an die Wand, und dort ist Ikarus kopfüber ins Weihwasserbecken gestürzt.

Auf Spurensuche in der Kapellenkirche, in der Bruegel begraben wurde

Weiter durchs historische Brüssel

Wer etwas auf sich hielt, der zog in die Oberstadt. Führende Adelsfamilien ließen sich seit dem 16. Jahrhundert hier nieder und machten den Zavel zum Nobel-Quartier schlechthin, wo auch Bruegel sein Atelier gern augeschlagen hätte.
Wo einst die Aristokratie logierte, sind heute Brüssels schickste Bars, die erlesensten Schokoladengeschäfte – und jedes Wochenende ein großer Antiquitätenmarkt.

Weltkulturerbe Grote Markt

Bruegel verlebte ziemlich unruhige Zeiten in Brüssel. Die Niederlande, zu denen seinerzeit die gesamten heutigen Benelux-Staaten gehörten, setzten an zum Aufstand gegen ihren spanischen Landesherrn, König Philipp II. Der ließ 1568 auf dem Grote Markt in Brüssel zwei seiner größten Gegner köpfen.
Der wunderschöne Platz, seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe, war auch in Bruegels Jahrhundert das Zentrum der Stadt, sah allerdings ganz anders aus als heute. Die geschlossene barocke Fassadenfront entstand erst, nachdem französische Truppen 1695 die Häuser am Platz fast komplett zerstört hatten.

Zehn Hotspots in Bruegels Brüssel gibt es auf der Website flemishmasters.com

Der Grote Markt, wie er heute aussieht

Bilder:
Die „Tolle Grete“ im Museum Mayer van den Bergh © Piet De Kersgieter
Pieter Bruegel – Die Volkszählung zu Bethlehem © KMSKB
Dulle Griet, 1563, Museum Mayer van den Bergh Antwerpen © KIK IRPA Brussel
Bruegel bei der Arbeit – Statue von Tom Frantzen in Brüssel © VISIT FLANDERS
Grote Vissen Eten De Kleine © Bibliothèque royale de Belgique
Bruegel-Toerisme Pajottenland & Zennevallei © Luc Bohez
Der Sturz der rebellierenden Engel © KMSKB
Installation Kapellenkirche © Bowling
Grand Place © Visit Brussels
Pajottenland © Luc Bohez
Kasteel Gaasbeek © Piet De Kersgieter
Freilichtmuseum Bokrijk © Luc Daelemans